Ein Blick auf Immigration weltweit: Wo steht Österreich in diesem Kontext ?
USA - Europa - Österreich
Die USA sind das klassische Einwanderungsland. Millionen von Menschen sind aus allen Teilen der Welt ausgewandert, um sich in den Vereinigten Staaten niederzulassen, und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Die dominante Metapher in diesem Zusammenhang war die des Schmelztiegels (metling pot). Israel Zangwill schireb ein Drama mit demselben Titel, und einer der Charaktere sagt dort folgendes: "The real American has not yet arrived, he is only in the Crucible, I tell you - he will be the fusion of all races, the coming superman." (Quoted in Treibel 1988, 37) Andererseits meinen Glazer and Moynihan in ihrer Studie Beyond the Melting Pot: "The idea of the melting pot is as old as the Republic. The point about the melting pot is that it did not happen." (1963, 288-289)
Schon 1914 tritt Horace M. Kallen für kulturellen Pluralismus ein und erklärt, America sei einPhantom: "America is a word. As a historic fact, or as a democratic ideal of life, it is not realized at all. " (1914, 95) Und weiter: "Men may change their clothes, their politics, their wives, their religions, their philosophies, to a greater or lesser extent: they cannot change their grandfathers. (Kallen 1914, 122)
In den siebziger Jahren taucht eine neue Metapher auf: die der Salatschüssel ("salad bowl"). Damit wird angedeutet, dass die ursprünglichen Zutaten sehr wohl noch erkennbar sind, aber dass sie einander berühren, dass sich die einzelnen Elemente vermischen, dass sie denselben Raum teilen und dass sie mit der Salatsauce einen neuen Geschmack angenommen haben.
Der Schmelztiegel ist als Mythos demaskiert worden, als Traum, der kaum in der
Realität gelebt werden kann.
Seit etwa 1820 verließen 15 bis 20 Millionen Europäer die südeuropäischen Länder, um sich in Südamerika niederzulassen. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg ließen sich mehr als 5 Millionen Russen in Sibirien nieder, und eine große Zahl von Europäern zog nach Afrika, vor allem Südafrika, insgesamt etwa 4 bis 5 Millionen.
Inzwischen hat sich die Richtung der Migrationsströme umgedreht. Eine wachsende
Zahl von legalen und, vor allem in jüngerer Zeit, auch illegalen Einwanderern strömen
nach Europa. Seit den fünfziger Jahren sind mehrere Millionen Menschen nach
Großbritannien und Frankreich gekommen, später auch nach Italien, Portugal und Spanien.
Gründe dafür waren schwierige Lebensbedingungen in Ländern der Dritten Welt und auch
ein gestiegener Bedarf an billigen Arbeitskräften in Europa. (Cf. Münz 1991, 20) Und
trotz steigender Arbeitslosigkeit und weniger leicht erhältlicher Einwanderungserlaubnis
fließt der Strom ausländischer Menschen nach Europa weiterhin.
Vor 1989 war Österreich für Menschen aus der Türkei und Jugoslawien mehr ein Durchreiseland auf dem Weg nach Deutschland als das Land ihrer Wahl. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Österreich dann zum Tor in den Westen für Migranten aus ehemaligen Ländern des Ostblocks.
Der Trend, westwärts zu ziehen, wo die Verdienstmöglichkeiten besser waren, betraf auch österreichische Arbeiter nach dem Zweitn Weltkrieg. Die Mehrheit dieser emigrierten Österreicher lebt und arbeitet in Deutschland (176.000) und der SChweiz (29.000); andere leben in Brasilien, den USA, Kanada, Mittel- und Südamerika, Süd Afrika, Australien, Italien, und Großbritannien. Diese österreichischen Emigranten machen etwa 430.000 aus, im Gegensatz zu 550.000 Ausländern in Österreich. Da die letztere Gruppe aber allgemein weniger qualifiziert ist, kann dieses Phänomen als eine Art "brain drain" gesehen werden.
In denfrühen sechziger Jahren wurde ein Kontingent von 47.000 Ausländern aufgenommen, um dem Mangel an Arbeitskräften in dieser Zeit entgegenzuwirken. Diese Menschen wurden "Gastarbeiter" genannt und man dachte an einen zeitlich befristeten Aufenthalt. Als es in den siebziger Jahren allgemeine Praxis wurde, "Touristen" zu beschäftigen, nahm die Migration aus der Türkei und aus Jugoslawien drastisch zu und erreichte 1993 einen Höchststand mit 226.000 Arbeitern.
Mit der Rezession nach 1974 wurden diese Zahlen wieder drastisch reduziert, als viele dieser Arbeiter ihre Arbeit verloren und nach Hause zurückkehrten. Andererseits änderten diejenigen, die ihre Arbeit behalten konnten, ihre ursprünglichen Pläne und begannen ihre Situation in Österreich als eine mehr permanente zu begreifen. Dies spiegelt sich in der Zahl der Familienmitglieder, die nach Österreich zogen, um zusammen mit den Gastarbeitern hier zu leben. In Vorarlberg zum Beispiel wuchs die türkische Bevölkerungsgruppe ständig, obwohl die Zahl der türkischen Arbeiter konstant blieb.