Verschiedene Modelle in Österreich
Dies bedeutet getrennten Unterricht für 4 bis 8 Kinder in zwei Stunden der Woche. Das Hauptziel ist das Erlernen der deutschen Sprache. Mit der realen Situation der betroffenen Kinder als Ausgangspunkt sollten sie dazu motiviert werden zu reden. Gleichzeitig sollte ihr Vokabular systematisch aufgebaut werden. Prinizipien des kommunikativen Unterrichts sind dafür am besten geeignet.
Der Kontakt zwischen Klassenlehrer und Förderlehrer ist ausschlaggebend, weil so gegenseitigen Erwartungen besser entsprochen werden kann.
Ein Nachteil dieses Modells ist, dass diese zusätzlichen Deutschstunden neben der normalen Unterrichtsarbeit ablaufen - und daher auch außerhalb der regulären Unterrichtszeit. Es ist völlig unmöglich, diese Art von Lehren und Lernen in die normale Klassenarbeit zu integrieren.
Speziell für Kinder, die mitten im Schuljahr bei uns ankommen und in die Schule eintreten, hat sich diese Modell bewährt, weil es damit möglich ist, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Andererseits ist die Anzahl der verfügbaren Stunden begrenzt.
In diesem Modell sollten Gastarbeiterkinder und Flüchtlingskinder dabei unterstützt werden, sich erste Deutschkenntnisse innerhalb der Stammklasse zu erwerben. Die Perspektive hat sich hier klar gewandelt von einer Defizittheorie zu einem Konzept integrierten Lernens.
Zusätzlich zum Klassenlehrer gibt es noch einen Stützlehrer in fünf Stunden pro Woche. Die beiden Lehrer sind gleichwertig und agieren als Team. Kooperative Vorbereitung und Planung und Team Teaching erfordern eine Neuorientierung. Gegenseitiges Vertrauen und Respekt sind Vorbedingungen für die gemeinsame Arbeit, für die eine halbe Wochenstunde für Planungszwecke zur Verfügung gestellt wird.
Dieser Ansatz basiert auf der Annahme, dass soziale Integration - die Akzeptanz der Kinder im tägliche Leben der Schule, der Klasse und der örtlichen Gemeinschaft - Voraussetzung für einen erfolgreichen Spracherwerb ist. Mit dieser zusätzlichen Hilfe sollte es möglich sein, dass diese Kinder viel früher und mit mehr Ertrag am Unterricht in den Regelklassen teilnehmen.
Muttersprachlicher Unterricht wird Kindern aus Jugoslawien seit 1975, und denen aus der Türkei seit 1976 angeboten. Die Schüler sollen Gelegenheit haben , ihre Muttersprache zu benützen und ihre Kenntnisse zu erweitern; sie sollen auch Informationen über ihre Heimat bekommen, um später nach ihrer Heimkehr in der Lage zu sein, die Schule dort erfolgreich zu besuchen.
Diese Konzept basiert auf der Annahme der Rückwanderung; ein wirkliches Recht auf Zweisprachigkeit ist daher - leider - hier nicht anerkannt. Die Muttersprache scheint unverzichtbar als "Sprache, in der gedacht wird". Diese kann dann ihrerseits die Voraussetzung bilden für den Erwerb einer Zweit- oder Drittsprache. Die Vernachlässigung der Muttersprache führt zu generell verkümmerten sprachlichen Fähigkeiten.
Der Muttersprachenlehrer agiert als Vermittler zwischen Kindern, Eltern und Schule.
Die meisten dieser Lehrer werden von ihrer Regierung ernannt und für eine Zeit von vier Jahren nach Österreich geschickt; danach kehren sie wieder zurück. Leider spricht eine beträchtliche Zahl von ihnen nur sehr wenig Deutsch (einige überhaupt kein Deutsch), was die Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer und Integration im Konferenzzimmer und der Schule als ganzer schwierig macht.
4. Klassen für fremdsprachliche Flüchtlingskinder mit einer Konzentration auf Englisch
Kinder, deren Eltern in einem englischsprachigen Land um politisches Asyl angesucht haben, werden gemeinsam in einer Klasse unterrichtet, in der Englisch als Arbeitssprache verwendet wird. Dies soll sie auf das Leben und die Sprache in ihrem Zielland vorbereiten. Kinder, die keine derartigen Aussichten und Pläne haben und voraussichtlich in Österreich bleiben, werden in deutschsprachigen Klassen unterrichtet. Dort sollten sie in einem Jahr genug grundlegendes Deutsch (oder Englisch) erlernen, um danach dem Unterricht in regulären Klassen folgen zu können.Zu kritisieren ist, dass dieses Modell nicht auf der Idee der Integration basiert, sondern eine Art Ghetto schafft. Es ist daher zu bezweifeln, ob dieses Modell langfristig erfolgreich sein wird.
Die Situation ist in den eune österreichischen Bundesländern underschiedlich wie auch die zur Verfügung stehenden Fördermaßnahmen. In Vorarlberg, wo die Hochstschülerzahl pro Klasse 30 ist, zählte 1990 jedes Kind mit nichtdeutscher Muttersprache doppelt. Das hieß, dass z.B. eine Klasse mit 8 türkischen Kindern nur 14 österreichische Kinder benötigte, um mit insgesamt 22 Schülern voll zu werden. Dies half dem Klassenlehrer natürlich sehr dabei, diesen Kindern Aufmerksamkeit und Zeit zu geben.
Jetzt im Jahre 1998, wo das Geld in unserem Bundeshaushalt knapper wird, ist der Umrechnungsfaktor auf 1,4 verringert worden, sodass dieselben 8 Kinder umgerechnet 11,2 ausmachen; damit braucht die Klasse jetzt 19 österreichische Kinder, um mit 27 voll zu werden.
Es ist aber nicht nur die Budgetsituation, die diese Entwicklung herbeigeführt hat. Vielmehr ist es ein Schwerpunktwechsel, eine Verlagerung in der öffentlichen Diskussion und im öffentlichen Interesse weg von der Integration sozial benachteiligter Gruppen wie Gastarbeitern hin zur Integration von Kindern mit einer Behinderung. Diese Kinder haben jetzt eine starke Lobby, und 1993 und 1997 wurden neue Gesetze in Kraft gesetzt. Der Geldfluss ist damit weniger gestoppt worden als in eine neue Richtung gelenkt..