Interkulturelle Kinder- und Jugendliteratur
W.J.M. Wippersberg: Fluchtversuch (1973)
Renate Welsh: Ülkü, das fremde Mädchen (1973)
2. Die achtziger Jahre: Assimilation oder Integration?
Renate Welsh: Spinat auf Rädern (1991)
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1. Die siebziger Jahre: Gastarbeiterkinder mit dem Blick nach Hause
Das Buch gibt eine authentische Schilderung der Lebensumstände und Schwierigkeiten einer Gastarbeiterfamilie in Wien: wenig Platz, wenig Geld und, was am schlimmsten ist, das Stigma, anders zu sein und nicht akzeptiert, das der zwölfjährige Ivo erlebt. Als seine Mutter und seine jüngeren Geschwister in ihr Heimatdorf an der Küste Dalmatiens zurückkehren, um ihre kranke Mutter zu betreuen, muss Ivo für seinen Vater und seine älteren Brüder den Haushalt führen und kann nicht mehr in die Schule gehen. Er erfährt die Unfreundlichkeit der Erwächsenen ebenso wie die Zurückweisung durch die Gleichaltrigen, die ihn auslachen und ihm aus dem Weg gehen. Verzweifelt versucht er zu fliehen, aber sein Versuch scheitert.
Ein zwölfjähriger österreichischer Junge, dessen Vater tot ist, findet emotionale Wärme in der Familie eines türkischen Schulkameraden. Im Verlauf der Geschichte lernen seine Mutter und die argwöhnischen Nachbarn die türkischen Familien, die im selben Block wohnen, schätzen. Somit gibt es ein positives Ende.
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Christine Nöstlinger: Echt Susi (1988)
Dies ist eine kritische Sicht der Integration von Einwandererkindern. In einem Kapitel weden Vorurteile angesprochen und Gründe für die Ablehnung von Ausländern erwähnt: hier ist der Leser gezwungen, sich in interkulturellem Denken zu üben, weil man nicht umhin kommt, Partei zu ergreifen. Die Figur von Ali, ein türkischer Junge, lässt uns an den schmerzhaften Erfahrungen eines Außenseiters teilnehmen. Das Besondere an diesem Buch ist, dass trotz des ernsten Themas Platz ist für Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und alle Arten von Späßen. Es braucht Mut, die Probleme zu lösen, aber das Leben in einer multikulturellen Gemeinschaft verspricht alles andere als langweilig zu werden. Lesen Sie eine Stelle im Original 3. Die neunziger Jahre: Entwurzelt und auf der Suche nach einer Identität1990 wurde Yasmin, ein Mädchenroman, veröffentlicht. Die Autorin, Edith Thabet, ist in Wien geboren und mit einem Immigranten verheiratet. Sie weiß daher aus erster Hand, was es bedeutet, zwischen zwei Kulturen zu stehen. Das Buch erzählt die Geschchte eines zwölfjährigen Mädchens, dessen Mutter Wienerin und dessen Vater Ägypter ist. Dieser Mann bemüht sich sehr um die Anererkennung seines Status als österreichischer Staatsbürger. Seiner Tochter zuliebe entscheidet er sich für eine weitreichende Assimilation, was seine Sprache und seine Arbeitsbedingungen betrifft, aber er möchte sich seine eigenen Werte und seine Art zu leben bewahren. Seine Tochter Yasmin leidet an den sozialen, ethnischen, kulturellen und religiösen Spannungen und sucht ihre eigene Identität.
Leben in einer multikulturellen Gemeinschaft ist eine Bereicherung für alle Beteiligten, meint die Autorin. Allerdings kommen die Impulse von der Familie, die sich um Integration bemüht, während der Beitrag der einheimischen Bevölkerung sehr bescheiden ist. Ausländische Bräuche, die außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes fremd und absurd wirken können, werden dargestellt und erklärt. In Yasmin werden die beiden Kulturen als gleichwertig dargestellt, da sie vom Vater und von der Mutter kamen und im Kind fortleben.
In der Schlußepisode gibt es eine Couscous Party mit arabischer Musik für alle Bewohner des Wohnblocks. Wenigstens einige Elemente der ausländischen Kultur werden nicht mehr zurückgewiesen, und gegenseitige Akzeptanz wächst.
Der Fall des Eisernen Vorhangs, die Veränderungen in früheren Ostblockländern und die Auflösung von Jugoslawien hat auch Auswirkungen auf die österreichische Kinder- und Jugendliteratur gezeigt.
1992 wurde eine UNICEF-Anthologie, Im Osten geht die Sonne auf, herausgebracht. Sechzehn Autoren aus früheren Ostblockländern versuchen in ihren Kurzgeschichten die Nachbarn neugierig zu machen auf das Leben auf der anderen Seite der Grenze.
Renate Welsh: Spinat auf Rädern (1991)
1991 stellt Renate Welsh das Dilemma von Flüchtlingskindern in ihrem Buch dar. Das russische Mädchen Maria und ihre Familie sind völlig entwurzelt und schmerzhaft nirgends auf dieser Welt zuhause. Der Leser wird mit existentiellen Fragen des Mädchens konfrontiert und ist aufgerufen, Antworten zu finden und einen eigenen Beitrag zu leisten für eine bessere Welt.
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Sekundärliteratur
Adorno, Theodor W.: Ästhetische Theorie. Frankfurt/Main 1970
Essinger, Helmiut: Interkulturelle Pädagogik. Versuch einer Standortbestimmung. In: Bizim Almanca 15 (1986), S. 14
Essinger, Helmut: Zur interkulturellen Arbeit in Schule und Gemeinwesen. Königstein/Ts 1981
Kagerer, Hildburg: Das Fremde hört nicht auf. In: JuLit. Informationen 2 (1992), S. 44ff.
Kaminski, Winfred: Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur. Literarische Phantasie und gesellschaftliche Wirklichkeit. Weinheim-München 21989
Katholische Akademie Hamburg (Hg): Almanach zur österreichischen Kinderkultur. Hamburg 1991
Mattenklott, Gundel: Fremde Kinder im Kinderbuch. In: JuLit. Informationen 2 (1992), S. 85
Ulrich, Anna Katharina: Im andern Land. In: Schweizer Jugendbuchinstitut Zürich (Hg): Kinder- und Jugendbücher als Verständigungshilfe zwischen ausländischen und Schweizer Kindern. Zürich 1986, S. 7
Primärliteratur
Beyerl, Beppo: Eckhausgeschichten. Wien 1992
Bösze, Ilse Viktoria: Geburtstag auf dem Dachboden. Wien 1983
Gruber, Maria: Esras abenteuerliche Reise auf den blauen Planeten. Wien 1992
Nöstlinger, Christine: Echt Susi. Wien 1988
Österreichisches Komitee für UNICEF und das Internationale Institut für Jugendliteratur und Leseforschung (Hg.): Im Osten geht die Sonne auf. Wien 1992
Pellert, Wilhelm: Ayana und das goldene Tor. Wien 1992
Szyszkowitz, Gerald: Auf der anderen Seite. Wien 1990
Szyszkowitz, Gerald: Moritz und Natalie. Wien 1991
Thabet, Edith: Yasmin. Wien 1990
Welsh, Renate: Spinat auf Rädern. Innsbruck 1991
Welsh, Renate: Ülkü, das fremde Mädchen. Wien 1973
Wippersberg, Walter J. M.: Fluchtversuch. Innsbruck 1973