Volksschule Lustenau Hasenfeld

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Interview mit der Klassenlehrerin: Frau Christa Hunziker

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(das Interview wird hier in verkürzter, thesenartiger Form wiedergegeben)

Frau Hunziker begann 1993 in diesem Bereich zu arbeiten mit einem Schulversuch, der zwei Jahre dauerte und zwei Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf betraf.

1994 begann sie mit der jetzigen Klasse als einer Einstiegsklasse mit 5 verschieden behinderten Kindern. Zurückblickend ist sie sehr zufrieden mit der Gesamtentwicklung. Jetzt sind die Kinder schon in ihrem vierten und letzten Jahr an der Volksschule, und es ist möglich, Vor- und Nachteile dieser Art von Integration gegeneinander abzuwägen. 

Die wichtigsten Punkte:

    Lernen findet vorwiegend in der Klasse statt. Die regulären Kinder lernen Kinder mit einer Behinderung als gleichwertige Partner mit ihren eigenen Schwächen und Stärken zu sehen. Diese Form des Zusammenlebens und gemeinsamen Lernens in einer Klasse bereitet die Kinder auf die Realität vor und hilft ihnen dabei, Menschen mit einer Behinderung ohne Scheu und mit Sicherheit zu begegnen.

    Allerdings war zu beobachten, dass jetzt, im vierten Jahr, Mitschüler immer wieder gefragt werden müssen, sich in der großen Pause um Patrik zu kümmern, während es in der ersten und zweiten Klasse noch als Privileg galt, in der großen Pause Patriks Rollstuhl schieben zu dürfen.

    Natürlich gibt es immer Kinder, die sich mehr um Integrationskinder bemühen als andere. So sind es besonders vier SchülerInnen, die sehr sozial eingestellt sind und immer wieder Angebote machen. Andererseits gibt es etwa fünf Kinder (zufälligerweise gerade jene, die zu den Intelligentesten gehören und ins Gymnasium gehen werden), die von sich aus sehr wenig anbieten, sondern ihren eigenen Interessen nachgehen. Wenn sie gefragt werden, leisten aber auch sie ihren Beitrag.

    Ein Problem wird mit zunehmendem Alter größer: Während das Lernen in den ersten zwei Jahren recht harmonisch verlief, werden Unterschiede in den Fähigkeiten und Leistungen zunehmends größer und deutlicher sichtbar. - Dies wird vor allem die nächste Phase der Erziehung in der Hauptschule sehr schwierig machen. Es wird sich zeigen, ob diese Problematik in Folge auch zu einer sozialen Abkoppelung führt (weil dann dieses kostspielige und emotional explosive Experiment fehlgeschlagen wäre).

    Nicht nur das Verhalten und die Einstellungen in dieser speziellen Klasse haben sich verändert; dieser positive Effekt hat auch ausgestrahlt in benachbarte Klassen und hat, in gewisser Weise, die ganze Schule mitgeprägt (Feste, Projekte, Schulhof).

    Die Stützlehrerin war jedes Jahr eine andere. Dies verlangt der Klassenlehrerin viel an Teamgeist und Flexibilität ab.

    Stützlehrer haben derzeit meist noch keine spezielle Ausbildung. Die meisten von ihnen sind sozial engagierte Volksschullehrerinnen mit einem stark ausgeprägten Interesse für die Gemeinschaft, in der sie leben und arbeiten, mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Schwachen in unserer Gesellschaft.

    Pädagogische Akademien machen große Anstrengungen, neue Ausbildungsprogramme im Sonderschulbereich zu schaffen, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis diese Lehrer und Lehrerinnen (voll qualifiziert, aber noch unerfahren) zur Verfügung stehen.

    Während die Klassenlehrerin auf der einen Seite das Gefühl hat, bei Patrik viel erreicht zu haben, zögert sie nicht einzuräumen, dass seine intellektuellen Fähigkeiten am Sonderpädagogischen Förderzentrum noch besser gefördert hätten werden können. Was seine physischen Beschränkungen betrifft, so fühlt sie sich einfach überfordert.

    Der Leistungsstandard der Klasse ist eine konstante Herausforderung, weil die Zeit aufgeteilt werden muss zwischen regulärer Lehrplanarbeit und sozialen und fördernden Tätigkeiten. Kontrollgruppen sind unbedingt erforderlich (z.B. Parallelklassen ohne Integration) als Orientierungspunkte.

    Eine strenge Trennung zwischen den Arbeitsbereichen (Klassenlehrerin für die Klasse - Stützlehrerin für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf) scheint ungünstig. Es muss Zeiten geben, wenn einer der beiden sich um den Unterricht der ganzen Klasse kümmert oder wenn die Rollen vertauscht werden.

    Diese Art von Klasse erfordert mehr Vorbereitungsarbeit, hohe Flexibilität, Entscheidungsfreudigkeit und Teamfähigkeit.

    Die Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder und mit dem Unterricht sehr zufrieden. Nur ein Vater eines sehr intelligenten Kindes zeigte sich mehrfach besorgt über das Leistungsniveau der Klasse.

    Die Unterstützung innerhalb der Schule (Kollegen und Direktor) und auch in der Gemeinde ist sehr gut. Passive Unterstützung durch das SPZ ist gegeben, aber es wäre eine aktivere Rolle erwünscht.

   

Zwei Wünsche ergaben sich im Laufe des Gesprächs:

    Ein ausgebildeter Stützlehrer für den Zeitraum von vier Jahren

    Aktive Unterstützung durch das örtliche Sonderpädagogische Zentrum

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