Volksschule Rankweil Markt: Ausländerkinder

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Lernhilfe

Vor etwa 15 Jahren wurde die Aktion Lernhilfe gestartet. An dieser Schule gibt es etwa 20 "Lernmütter", die ein ausländisches Kind zusammen mit ihrem eigenen in ihr Haus aufnehmen, um gemeinsam die Hausübungen und zusätzliche Lernaufgaben zu erledigen. Die Idee dahinter ist natürlich nicht nur das eigentliche Lernen und die Wissensvermittlung. Der Hauptpunkt ist, dass diese Kinder in Rankweiler Häuser eingeladen werden und dort sehen, wie die Leute leben, wie und was sie essen, wie sie verschiedene Dinge tun. Sie sehen natürlich auch die Spielsachen der Kinder, und nach der Hausaufgabe ergibt sich oft noch Zeit für gemeinsames Spiel und eine Jause, bevor sie nach Hause gehen. In vielen Fällen entwickelt sich dadurch eine Freundschaft zwischen den beiden Kindern.

Eine Anfangsschwierigkeit bestand darin, dass türkische Eltern Angst davor hatten, ihre Kinder würden in Fragen der Religion beeinflusst oder sie würden Schweinefleisch zu essen bekommen. Als sie dann aber sahen, dass dies nicht der Fall war und dass ihre Kinder viel von diesem Arrangement profitieren konnten, änderte sich ihre Einstellung grundlegend. Jetzt kommen türkische Eltern zum Direktor und ersuchen diesen um Lernhilfe. Dies ist nicht immer leicht einzurichten, weil die österreichischen Mütter dies natürlich auf einer freiwilligen Basis ohne jede Bezahlung tun. Am Beginn des Schuljahres wird dieses Programm bei Elternabenden angekündigt, und eine Mutter übernimmt die Koordination.

Dieses Programm hilft kulturelles Wissen auszutauschen und Verständnis anzubahnen. Das Hauptproblem ist dabei, dass der Prozess fast ausschließlich in eine Richtung läuft: türkische und jugoslawische Kinder lernen unsere Art zu leben kennen, aber nicht umgekehrt. Die Erklärung ist einfach genug: viele Gastarbeiter und Ausländer leben in alten Häusern oder wenig attraktiven Wohnungen und finden es daher sehr schwierig, Leute zu sich nach Hause einzuladen.

Aber die Kinder lernen viel, und in vielen Fällen lernen sich auch die Mütter kennen. Da die Frau des Schulleiters vor Jahren selbst an diesem Programm teilgenommen hat, hat er Erfahrungen aus erster Hand. Er erzählt von Einladungen zu Hochzeiten, von Briefen, die sie noch Jahre später erhalten, etc.

Der Nachteil kann sein, dass manche der türkischen Eltern die Verantwortung für den Lernerfolg ihres Kindes der österreichischen Lernmutter übertragen. In seltenen Fällen kann das sogar dazu führen, dass sie die Schuld für schlechte Noten bei der Lernmutter suchen, was die Zusammenarbeit natürlich wesentlich erschwert. Die Koordinatorin organisierte daher ein Treffen für türkische Mütter mit einem Dolmetscher, und die Enttäuschung war entsprechend groß, als nur zwei Mütter erschienen.

Zur Zeit sind etwa 25 der 44 Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache in diesem Programm. Eine höhere Zahl ist aus zwei Gründen unrealistisch: erstens ist die Zahl der Lernmütter, die in diesem Programm verbindlich mitarbeiten wollen und können, beschränkt und zweitens brauchen nicht alle Kinder diese Art von zusätzlicher Unterstützung.

Ein Problem ist auch, dass nur ein gewisser Prozentsatz der österreichischen Eltern sich mit diesem Programm identifizieren kann, während andere argumentieren, derartige Programme würden eigentlich ausländische Kinder bevorzugen, während Unterstützungsmaßnahmen für einheimische Kinder fehlen. Meist hilft es, diesen Leuten zu erklären, dass es ihren Kindern in dem Maße in der Schule gut gehen wird als es auch den ausländischen Kindern gut geht in unserer Klasse, in unserer Schule, in unserem Ort. Überdies gibt es natürlich auch Förderunterricht für einheimische Schüler, die Lernschwierigkeiten haben. Dasselbe gilt auch für legasthenische Kinder (hier gab es einmal 8 Stunden für die Schule - nach den Budgetkürzungen sind es noch 3, was die Gruppen natürlich größer und die Arbeit schwieriger macht).

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