Das Bodenseerheintal ist ein Sohlental. Es ist das breiteste Tal der Alpen (bis 11 km)
und bildet die geografische Grenze zwischen den Ost- und Westalpen. Seine Entstehung ist
auf einen Grabenbruch zurückzuführen, der von eiszeitlichen Gletschern weiter
ausgeschürft und von Flussablagerungen aufgefüllt wurde.
Die Ebene des Rheintales, die von einigen Inselbergen überragt wird, war bis in das
19. Jahrhundert größtenteils versumpft. Durch Meliorierungen sowie durch umfangreiche
Schutzbauten am Rhein und seinen Zubringern wurde der Talboden im Laufe der Zeit mehr und
mehr kultiviert und für Landwirtschaft und Siedlungen nutzbar gemacht.
Der Rhein in diesem Abschnitt auch Alpenrhein genannt bildet die
Staatsgrenze und teilt das Tal in ein Vorarlberger und in ein Schweizer Rheintal. Seine
Länge beträgt von der liechtensteinischen Grenze bis zur Mündung in den Bodensee 29 km.
Um die Rheintalbewohner vor den früher häufigen Überschwemmungen zu schützen, wurden
von Österreich und der Schweiz seit dem Ende des 18. Jahrhunderts laufend Anstrengungen
zur Regulierung des Rheins unternommen.
Das Rheintal ist der Hauptsiedlungsraum Vorarlbergs und weist eine große
Siedlungsdichte (über 500 Einwohner pro km2) auf. Rund zwei Drittel der
Bewohner Vorarlbergs leben in diesem Tal, das durch den Kummenberg in ein Ober- und ein
Unterland geteilt wird. Die Siedlungen in der Ebene sind teils schon zusammengewachsen.
Dieser Trend hält trotz Einführung von Flächenwidmungsplänen weiterhin an. An den
Hängen des Talrandes liegen eine Reihe von Bergdörfern.
Infolge der starken Besiedelung und der immer noch zunehmenden Mobilität gibt es im
Rheintal ein dichtes Straßennetz mit Autobahn sowie eine Eisenbahnlinie mit zwei
Verbindungen in die Schweiz und einem Anschluss nach Deutschland.
Handel und Gewerbe spielen im Rheintal seit alters her eine große Rolle, seit dem 19.
Jahrhundert auch die Industrie. Bis vor wenigen Jahren war die Textilindustrie mit ihren
zahlreichen Branchen am bedeutendsten. Sie hat sich schon sehr früh aus einer
Hausindustrie" entwickelt und war bis ins 20. Jahrhundert im Rheintal
maßgebend. Heute hat die Eisen- und Metallindustrie zusammen mit dem Maschinenbau die
führende Stelle übernommen. Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist der immer noch
bedeutenden Textilindustrie dem Produktionswert nach bereits sehr nahe gerückt, doch
spielen auch die Elektroindustrie und die chemische Industrie eine wichtige Rolle.
Die Industriebetriebe sind über das gesamte Rheintal verstreut. Die Vorarlberger
Industrie ist modernst ausgestattet, sehr leistungsfähig und stark auf den Export
ausgerichtet.
Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union orientiert sich das Vorarlberger
Rheintal noch mehr an der Euregio Bodensee und nach Europa hin. Viele heimische Firmen
haben Produktions- und Vertriebseinrichtungen teils ins Ausland verlegt.
Die kulturellen Traditionen des Rheintales verschwinden allmählich zugunsten
internationaler Kulturmaßstäbe.